Märchenhafte Wanderung im Anaga-Gebirge

So wild und grün und frei wirkt kein anderer Ort auf Teneriffa: Unsere Wanderung im Anaga-Gebirge ist eine Wucht fürs Auge und eine Wohltat für die Pumpe. Denn anstregend ist es nicht, durch Nebelwald und zerklüftete Bergketten von Cruz del Carmen die 8 km bergab nach Las Carboneras zu laufen.

Fakten zur Strecke

  • 8 km
  • 699 hm bergauf, 1024 hm bergab
  • dauert gemütlich rund 3 Stunden

Anfahrt

Wenn sich eure asphaltierte Straße auf einmal in eine Schlammpiste verwandelt: Fahrt nicht noch ewig weiter, weil der Weg auf der Karte steht und „gleich da vorne“ wieder vernünftig werden wird. Dreht einfach um.

Aber: Mit GPS oder einer Grundausstattung an Kartenlesenskills (*räusper*), sollte es kein Problem sein, zum Parkplatz am „Mirador Cruz del Carmen“ zu gelangen. 

Auch die Buslinien 273, 275, 76 oder 77 fahren hierher (Stand 2018).

Tipp zur Anfahrt ins Anaga-Gebirge

Seid früh da, oder kommt mit dem Bus. Wir haben um elf Uhr nur mit viel Glück einen Parkplatz gefunden.

Die Welt will zum Aussichtspunkt Cruz del Carmen. Ist ja auch super hier, viel Asphalt und viel Platz für Blechkarren, Toiletten, Wanderkarten – ein handfestes Stück Beton-Zivilisation im romantischen Nebelwald

Durch den Lorbeerwald Teneriffas

Los geht es rechts neben dem RestaurantCruz del Carmen„.  Hier starten total viele Wanderungen ins Anaga-Gebirge hinein, unter anderem auch der Erlebnisweg „Pfad der Sinne“, der dich auf einem Holzsteg tief hinein in den Lorbeerwald Teneriffas führt. Deshalb blicke etwas enttäuscht auf Matschbahn, die uns nach Las Caboneras bringen soll.

Ich wollte mich im duftenden Lorbeerwald inmitten knorriger Stämme verlieren, aber die schiere Breite des Wegs verankert mich sehr fest im hier und jetzt. Verwunschene Pfade gibts woanders. Hier, am Anfang unserer Wanderung, ist Effizienz am Werk.

Teneriffa durch den Lorbeerwald bei Cruz del Carmen
Trotz breiten Wegen: Unsere Wanderung durch den Lorbeerwald Teneriffas hat richtig schöne Ecken. Hier gabelt sich der Weg und wir dürfen den interessanteren nach unten beschreiten.

Auf den Spuren der Bergbauern

Viel zu schnell rutschen und schlittern wir aus dem Wald heraus, streifen den Schlamm von unseren Schuhen und stapfen dann munter über bewirtschaftete Wiesen weiter.

Immer wieder kommen wir an recht verfallenen Häusern vorbei. Leben hier tatsächlich Menschen? Die Ruinen sagen „nein“, aber die akkuraten Pflanzenreihen in den Feldern neben uns erzählen eine andere Geschichte. Eine Geschichte von unglaublich viel Arbeit, hier so fernab befestigter Straßen zu leben und der Natur in kleinen Parzellen Anbaufläche abzutrotzen.

Bergab ins Anaga-Gebirge hinein

Wandern in Teneriffa ist immer ein Erlebnis: Die Insel ist so klein und die Klimazonen drängen sich so dicht aneinander, dass uns gefühlt jeder Schritt durch eine andere Landschaft bringt.

So auch hier: Nach Lorbeerwald und sattgrünen Wiesen führen uns unsere Schritte zu einer Asphaltstraße, die wir zum Glück auf einem kleinen Pfad steil bergab schnell wieder verlassen. Die vielen Büsche und Sträucher neben uns lichten sich und geben den Blick frei auf das zerklüftete Bergpanorama des Anaga-Gebirges, das uns für den Rest unserer Wanderung treu begleiten wird.

Zackig runter ins Meer: Das Anaga-Gebirge
„Zackig runter ins Meer“: Das Anaga-Gebirge

An einer Wegkreuzung halten wir an und atmen tief durch. Das hier ist besser als die verträumte Märchenwelt, die wir uns im Wald erhofft hatte.

Schier endlos erheben sich vor uns wild gezackten Bergkämme, wir sehen weit bis hinunter ins blau leuchtende Meer. So schmal und spitz hat die Erosion die Gipfel gespalten, dass sie fast zerbrechlich wirken. Wir blicken auf Hänge, Gipfel, Täler, deren Schroffheit abweisen sollte, uns aber anzieht. Diese Landschaft ist wild und frei und wir lieben es.

Kaktus in Teneriffa auf dem Weg nach Chimanada
Survivor

Unsere Wanderung im Anaga-Gebirge führt uns auf dem PR TF 10.1 weiter nach Las Carboneras. Der Pfad windet sich oberhalb der Täler die Bergrücken entlang, rechts und links duftende Pflanzen, die teils groteske Verrenkungen machen, um in den unmöglichsten Steilhängen noch Sonne und Halt zu finden.

Wir passieren einen Ziegenstall, ignorieren das hoffnungsvolle Meckern und laufen links an einem kleinen Häuschen vorbei. Viel zu bald sehen wir unter uns schon das Dorf Chinamada aufblitzen. Ein „Höhlendorf“,  das aber nur noch – laut Internet – 15 ständige Bewohner hat. 

Von Chinamada nach Las Carboneras

In Chinamada gibt es einen Rundweg, der verspricht, dich zu einer ziemlich großartigen Ausblicksplattform zu bringen. Wir folgen ihm aber nur ein Stückchen, um ein Gefühl für die Höhlen hinter den Häuserfassaden zu bekommen. Wir zählen Fenster, überlegen uns, wie groß der Raum dahinter wohl sein mag, und sehen sonst keine Menschenseele.

Höhlenhaus in Chimanada
Höhlenhaus in Chimanada

Von Chinamada aus führt uns unser Weg leider wieder auf eine breite Straße. Gerade, als wir Angst bekommen, die Straße nicht mehr loszuwerfen, zweigt rechts ein Wanderpfad ab. Über schmale Stufen geht es zunächst steil nach oben, um die Hänge herum und dann in großen Schritten hin zum Ende unserer Wanderung: das Dorf Las Carboneras .

Zurück nach Cruz del Carmen geht es mit dem Bus – mäßig schnell, unaufgeregt und problemlos.

Was bleibt von unserer Wanderung im Anaga-Gebirge?

Wir beide fanden die Wanderung im Anaga-Gebirge mega: Nebelwald, Bergwiesen, steile Hänge und in der Ferne glitzert immer das Meer – alles innerhalb von ein paar Stunden. Vor allem die großartigen zackigen Gipfel hatten es uns angetan. Den Teil durch den Wald hingegen hatte ich mir schöner vorgestellt. Aber vielleicht bin ich auch einfach kein Waldmensch und brauche den Ausblick :).

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