Spaß am Berg trotz nerviger Wanderbegleitung?

Die Tritte schwer, den Kopf gesenkt, meckert sich meine Wanderbegleitung die Gipfel von Zinken und Sorgschrofen hinauf. Und ich, die voller Elan und Lust losgestiefelt bin, versuche verzweifelt, diese Tour irgendwie noch zu retten. Für mich und für ihn.

Meine Versuche, aus dieser nervigen Wanderbegleitung eine angenehme zu machen, will ich euch nicht vorenthalten. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen eine sinnvolle Strategie dabei?

(Langweiliges zwischenmenschliches blabla? Wer mehr über die Bergtour auf Zinken und Sorgschrofen an sich wissen will, der wird auf der Webseite von outdooractive fündig :))

1) Spaß am Nörgeln finden

Am Anfang unseres Weges verzeihen wir uns noch am meisten. Er spricht, ein Strahlen im Gesicht, vom Gewaltmarsch, ich nenne ihn ein armes Hascherl, weil er an diesem schönen Sonntag draußen sein und was erleben muss.

Wir witzeln über dicke Bäuche, Berghochrollen und warum eine Rolltreppe hier eine gute oder schlechte Idee wäre. Die Sonne scheint, der Pfad windet sich durch sanftes Grün langsam Richtung Wald.

Nervtötende Wanderbegleitung bei Zinken und Sorgschrofen: Am Anfang der Tour verzeihen wir uns noch am meisten.

Kaum haben wir den Wald erreicht, schlägt die Stimmung um. Sein Schimpfen verliert an Witz und  fängt an, mächtig an meiner Laune zu zehren. Meckern in den Bergen nervt nur dann nicht, wenn man eine Ziege vor sich hat. Ich tue eine Zeitlang trotzdem so, als wäre sein Geschimpfe über den Weg nicht ernst gemeint, aber einseitiges Spotten fühlt sich schnell gemein an.

2) Meine Wanderbegleitung verhöhnen

Das wäre natürlich auch gegangen. Ein erwachsener junger Mann, der nach ein paar Schritten bergauf schnauft wie eine Dampflokomotive und eine Fresse zieht wie Grumpy Cat? Junge, du musst mehr Sport machen, Junge, du bist zu faul und zu langweilig. Aber so gemein will ich nicht zu ihm sein. Und wir sind ja eigentlich hier, um zusammen Spaß zu haben, und nicht, um uns gegenseitig fertig zu machen.

Also lasse ich „verhöhnen“ aus und wechsele zu Strategie Nummer 3.

3) „Schau mal, hier ist es aber schön“

Strategie Nummer 3 soll meinen unwilligen Gefährten ablenken. Von seinem Muskelschmerz, der Lunge, der Eintönigkeit des Stapfens, über das er jammert. Leider ist mein Small Talk nicht sehr eloquent, Rätsel und Witze mag er nicht, außerdem will ich auch die Landschaft um mich herum aufsaugen.

Also deute ich, zeige ich, mache ihn aufmerksam auf Sachen, die ich schön finde. Ein umgefallener Baumstamm? Grandios! Ein Bach neben unserem Waldpfad? Ach wie schön.

Ich kenn dasselbe Verhalten von meiner Mutter. Sie hatte Angst, dass wir was verpassen, wenn wir träumend und mit Kopfhörern in den Ohren ihre von uns mit wenig Begeisterung aufgenommenen Wanderungen angingen. Deshalb machte sie uns ständig auf Dinge aufmerksam, („ein Teich!“) die wir ohnehin bemerkt hatten.

Nicht wenig überraschend nervt nicht nur meinen Wanderpartner Strategie Nummer 3 so sehr, dass ich mich wenig später an Strategie Nummer 4 klammere.

4) Ignorieren und vorausgehen

Die schöne Zeit zu zweit hab ich abgeschrieben. Es geht nicht einmal mehr um Schadensbegrenzung. Meine Wanderbegleitung und ich wollen nur noch weg voneinander und vom Berg. Seine gequälten Blicke und sein „Ja, Wahnsinn“ zwischen zwei keuchenden Atemzügen treiben mich zu sportlichen Höchstleistungen an.

Selbst ich bin von mir überrascht. Ich düse aus dem Wald heraus, kämpfe mich eine steile Wiese nach oben und halte nur kurz inne, als der Berghang einen grandiosen Blick auf das dahinterliegende Tal freigibt. Da stehe ich dann und werfe der schnaufenden kleinen Gestalt, die weit unter mir mit der Schwerkraft kämpft, böse Blicke zu.

Schlimmer kann ein gemeinsamer Ausflug nicht enden? Stimmt – dieser hier tut es zumindest nicht. Denn erstaunlicherweise geht es mit uns beiden ab jetzt nicht nur im physikalischen Sinne bergauf.

5) Klettern am Gipfelaufbau von Zinken und Sorgschrofen (1.635m)

"Nur für Geübte" - das Schild könnte man auch jedem vor die Nase halten, der sich in zwischenmenschlichen Beziehungen versuchen möchte.

Schuld an der glücklichen Wendung ist der Berg. Ich warte vor dem Einstieg in die Gipfelkletterei und kann es selbst nicht fassen, als ich auf dem näherkommenden Gesicht meines Gefährten statt der Schnute ein Strahlen entdecke: „Hey, zu was für Geilheiten führst du mich“, ruft er mir entgegen und ich erwäge kurz die Möglichkeit einer multiplen Persönlichkeitsstörung.

Wie sich herausstellt, ist das Klettern, das Tasten der Finger nach Halt, das Wuchten des Körpers über den nackten Fels nach oben, für meine Wanderbegleitung eines der Dinge, die für so einen Sonntagnachmittag ganz oben auf der To-Do-Liste stehen. Nur dort hinkommen war ein Flop.

Blick auf den Grat zwischen Zinken und Sorgschrofen

Der kurze Steig zum Gipfel des Zinken zumindest macht uns beiden irre Spaß, der Grat hinüber zum Sorgschrofen hält so wunderbare Tiefblicke bereit, dass es uns leicht wohlig schaudert und wir ratschen und scherzen, als wären wir uns nicht 30 Minuten zuvor liebend gern an die Gurgel gegangen.

Binsenweisheit als Lehre

In dem Sinne: Zinken und Sorgschrofen sind Top-Touren. Es bringt aber schlichtweg nichts, sich einen Wanderpartner zu suchen, die nur einem selbst zuliebe mitkommt und keinen Spaß am Wandern hat. Diese Erkenntnis klingt recht simpel. Ich musste dafür jedoch einen Tag fast in den Sand setzen.

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