Karwendelgebirge mit ♥ für Kompar und Hahnkampl

Im Karwendelgebirge türmen sich die Höhenmeter und Schwierigkeitsgrade. Dennoch sind vom „Großen Ahornboden“ aus auch mittelschwere Wanderungen zum Greifen nahe. Auf zwei dei davon, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, nehme ich dich in diesem Beitrag mit. Auf Kompar und Hahnkamperl.

Das Karwendelgebirge hat es in sich. Ein lauschiges Herbst-Wochenende am Großen Ahornboden hatten wir uns vorgestellt, und dann türmt sich vor uns die Realität auf: Gamsjoch mit geschmeidigen 1250 Höhenmeter im Aufstieg,  Lamsenspitze, 1300 Höhenmeter, Gumpenspitze, 1000 Höhenmeter. 

Dennoch sind von unserem Stützpunkt im Almdorf Eng aus auch mittelschwere Wanderungen möglich, ohne lang mit dem Auto herumkurven zu müssen: Auf zwei kleinere Touren im Karwendelgebirge, auf Kompar und Hahnkamperl, möchte ich euch mitnehmen.

Zunächst aber zu den handfesten Sorgen, die jeden Wochenend-Wanderer umtreiben: Wo übernachten? Wo futtern? Wo die stinkenden Schuhe abstellen, damit nicht Haare, Schlafanzug und Bettwäsche am nächsten morgen nach Käse riechen? 🙂

Übernachten auf der Engalm

Unser Basislager schlagen wir im Bauernladen auf der Engalm auf, einem urigen kleinen Hüttendorf am Großen Ahornboden. Im Sommer wohnen hier die Bauern, kümmern sich um ihre Kühe und produzieren in der Dorf-Käserei einen Käse, auf den sie mächtig stolz sind. Im Winter gibt es hier keine Menschenseele. Die einzige Straße in den Ort ist unter Eis und Schnee begraben.

Es fühlt sich ein bisschen komisch an, einfach in den Bauernladen hinein zu gehen, und zwischen Wurst, Käse und Milch nach unserem reservierten Zimmer zu fragen. Aber die Dame ist superlieb und zeigt uns gleich alles.

Knorrige Ahornbäume auf dem Großen Ahornboden Engalm
Knorrige Ahornbäume auf dem Ahornboden

Die Engalm ist ein wirklich magischer Ort, mit ihren kleinen Holzhäuschen, ihrem plätschernden Bach und den knorrigen, stattlichen Ahornbäumen ringsum. Das haben auch viele Tagesausflügler mitbekommen. Wir machen uns also immer recht früh über unser stattliches Frühstück her und ziehen los, bevor wir im Pulk laufen müssen.

Badewannenparty auf dem Kompar (2.011m)

Der Kompar ist ein Berg der Kontraste. Wir beginnen auf einem breiten Weg von den Hagelhütten aus, der uns durch saftiges Grün stramm nach oben mitnimmt. Bäume und Kompar sind anscheinend nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Nur hier und dort gibt es zaghafte Besiedelungsversuche. So begleitet uns fast permanent ein toller Ausblick auf das Karwendelgebirge und den Großen Ahornboden.

Blick auf den Großen Ahornboden beim Aufstieg auf den Kompar.
Blick auf den Großen Ahornboden beim Aufstieg auf den Kompar.

Wanderung von der Engalm auf den Kompar mit Badewannen

Weiter den Berg hinauf werden die Wiesen karger, und die Badewannen zahlreicher.

Ja, Badewannen.

An drei oder vier laufen wir vorbei, die unbeeindruckt weiter vor sich hinrosten. Ob es schwer war, diese Menge an Keramik den steilen Hang hochzutransportieren? Ob sie im Sommer noch genutzt werden? Aus irgendeinem seltsamen Grund findet mein Gehirn die Badewannen klasse, aber niemand teilt meine Begeisterung.

Oben wartet ein langgezogener Gipfel auf uns und belohnt uns mit abenteuerlichen Blicken in die Tiefe. Was mir vom Kompar aber wirklich in guter Erinnerung bleiben wird, ist der Abstieg.

Vielleicht aus dem simplen Grund, dass jetzt die Sonne rauskommt, oder dass wir phänomenal guten Kuchen in der Plumsjochhütte futtern, oder dass uns unser Pfad durch leuchtenden Herbstwald führt: Alles wirkt ein bisschen, als hätte uns ein Märchen eingesogen, oder ein Rollenspiel.

Wir stellen uns vor, hinter jeder Biegung wartet ein freundlicher NPC auf uns, mit einem Abenteuer im Schlepptau. Beim Abstieg vom Kompar geht mir schlichtergreifend das Herz auf.

DIe Plumsjochhütte taucht auf

Die Herbstsonne taucht die Bäume auf dem Kompar in ein weiches, goldendes LIcht.

Im Regen auf den Hahnkampl (2.082m)

Der Hahnkampl ist ein völlig anderes Kaliber als der Kompar. Meine Begeisterung über diesen Berg kann ich nur schwer in Worte fassen.

Da wäre natürlich zuallererst der zackige Gipfelkamm, den wir überschreiten. Wir kommen nur langsam vorwärts, zum Teil, weil wir die Hände zu Hilfe nehmen müssen, um die ausgesetzten Passagen zu erklettern. Zum Teil auch, um stehenzubleiben und das Jetzt zu genießen.

Rechts und links von uns geht es steil einige Hundert Meter in die Tiefe, Wolkenfetzen jagen unter uns dahin, ein scharfer Wind treibt uns die Tränen in die Augen. Ich wäre in diesem Moment nirgendwo lieber als hier.

Gratwanderung auf den Hahnkampl von der Engalm aus

Gratwanderung zwischen Nebelfeldern auf dem Hahnkampl im Karwendelgebirge

Auch der Weg vorher, bis wir den Gipfel des Hahnkampls erreicht haben, ist ein Traum. Gemächlich steigen wir von der Engalm durch lichten Herbstwald zur Binsalm empor (dort gibt es sogar noch frische Buttermilch).

Die Wiese oberhalb erinnert mit ihren sanften Wellen, vereinzelten Bäumen und Steinen ans Auenland. Steiler und wilder wird die Landschaft, als wir uns dem Binssattel nähern.

Und was bleibt von dieser Geschichte zweier Berge im Karwendelgebirge?

Wandern im Karwendelgebirge bedeutet nicht zwangsläufig totale Erschöpfung und Krassheit :). Im Engtal finden sich mit Kompar und Hahnkampl zwei mittelschwere Wanderungen, die so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Der Kompar wirkte gefälliger, der Hahnkampl wilder, beides aber sind zwei ganz großartige Wandertouren.

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