Bergtour Pfronten – Aggenstein (1986 m)

Der Aggenstein hat so ziemlich alles für sich gepachtet, was eine Bergtour braucht, damit ich noch Jahre später gern an sie denke. Ob es dir genauso geht, weisst du natürlich erst, wenn du selbst unterwegs warst :). Einen ersten Eindruck bekommst du aber in diesem Beitrag.

Ich starte gut gelaunt vom Parkplatz bei der Breitenbergbahn-Talstation. Die Sonne brennt bereits am Vormittag ganz schön heiß auf die Welt, die Berge geben sich angemessen Mühe, beeindruckend vor mir aufzuragen und ich bin ganz hibbelig vor Vorfreude. Life is good.

Als ich im Rucksack nach der Sonnencreme krame, greife ich in etwas weiches, matschiges. Tja, da geht sie dahin, die Brotzeitbanane.

Ich verstaue sie sicher in meinen Wechselschuhen (stellt euch vor: Käsegeruch mit einer leichten Bananenmatschnote… :)) und bin, immer noch gut gelaunt, on the way zum Aggenstein.

Hm… Käsegeruch mit einer leichten Bananenmatschnote
On the way zum Aggenstein

Strecke

  • 1171 Höhenmeter warten auf dich und
  • 15,5 km Wegstrecke, wenn der Rückweg über den „Langen Strich“ geht – dieser ist jedoch aktuell gesperrt, Varianten der Tour findest du auf Komoot.
  • Der Weg durch die Reichenbachklamm ist bereits teils recht steil und „wild“ mit vielen Felsen und Wurzeln, die es zu überwinden gilt.
  • Kurz vor dem Gipfel des Aggenstein musst du kraxeln.
  • Dauer: Rund 6 h

Anfahrt

  • Dein Auto parkt gut am kostenlosen, kaum beschatteten, großzügigen Parkplatz bei der Breitenbergbahn in Pfronten-Steinach.
  • von Norden kommend über die B309
  • Der Parkplatz Breitenbergbahn ist am Ortseingang einmal ausgeschrieben und dann nicht mehr. Denn es geht wirklich nur immer geradeaus durch Pfronten hindurch.

Durch die Reichenbachklamm hinauf

Über gemähte und ungemähte Wiesen begleite ich die Bergbahn ein Stückchen mit, schaue mir an, wie die Leute ihre Tour mit dem Handy filmen und freu mich, dass ich hier unten laufe.

Der Aggenstein ist gut ausgeschildert, und genau deshalb schaffe ich es schon beim ersten kurzen Stück, falsch abzubiegen – Abzweigung Nr. 1 führt nämlich direkt hoch auf den Berch, ich will aber zuerst in die Reichenbachklamm, das ist Abzweigung Nr. 2. Zum Glück merk ich meinen Fehler recht schnell und drehe um, laufe dann noch ein paar Schritte in den Wald hinein … und bin schon in der Klamm.

Von Wasser oder Wasserfällen krieg ich zuerst überhaupt nichts mit. Dafür wird der Pfad ziemlich steil und kletterintensiv und ist bald so mit Wurzeln und Steinen zugedeckt, dass ich wunderbar „Lava“ spielen kann. Den Reichenbach höre ich einen Großteil des Wegs nur. Ich bin aber verdammt froh, dass ich an so einem heißen, sonnigen Tag in der Kühle der Klamm aufsteige.

In der Reichenbachklamm geht es steil über Felsen und Holz nach oben
Wasserfall in der Reichenbachklamm, kurz vor dem Klammschluss

Aggenstein-Panorama und der „Böse Tritt“

Oben angekommen weiten sich die Felsen und geben den Blick auf ein grandioses Panorama frei. Der Gipfelaufbau des Aggenstein zeigt mir den kalten, hohen Fels, ein gemeißeltes „du kannst mich mal“. Er wirkt ziemlich unüberwindbar. Mensch, da muss ich hoch, sag ich mir, und mach erst einmal ein Päuschen am Bach, fülle meine Wasservorräte auf und staune.

Blick auf die Wand des Aggenstein

Überwindbar ist die hohe Wand doch, und zwar über den „Bösen Tritt“, ein ziemlich schmales, steiles Stücklein Steilheit mit einem grandiosen Blick ins Tal. Der Serpentinenweg schlängelt sich an einem Fels- und Wiesenhang nach oben und mir geht bald ordentlich die Puste.

Böser Tritt von unten
Da ist man noch mittendrin im „Bösen Tritt“…
Steiler Weg über den Bösen Tritt.
… und da hat man ihn schon geschafft: Blick auf den „Bösen Tritt“ von oben.

Da freu ich mich natürlich umso mehr, als ich oben einem Kind begegne, das seine Eltern vollquengelt: „Nö, ich will erst was anstrengendes machen, bevor ich was esse.“

Das ist wie beim Skifahren, wenn du dich irgendwie den Hang runterquälst und dann sausen die sechsjährigen Kinder an dir vorbei. „Krasses Kind“, denk ich mir, und keuche weiter.

Bad Kissinger Hütte

Ich zumindest freue mich ziemlich, als die Bad Kissinger Hütte vor mir auftaucht. Sie krallt sich ziemlich eindrucksvoll zwischen Felswand und Abgrund.

Weil mir an der Hütte zu viele Menschen sind, setze ich mich irgendwo an den Rand und packe meine Brotzeit aus. Ich lasse meine Füße über den Abgrund baumeln, beim Sitzen fällt man ja an sich nicht um, länger als ein paar Minuten dauert es aber nicht, bis mir die Melone vor lauter Schnappatmung im Hals steckenbleibt. Ich bin definitiv nicht hart genug für den Abgrund.

Die Bad Kissinger Hütte mit der phänomenale Lage am Grat

Mein Mittagessensplatz

Aggenstein Gipfelkreuz

Aber zum Glück hart genug für den Gipfel. Über die Felsen, Steine und Blümchen (es ist wirklich grandios, wie viele Blumen hier oben wachsen) nach oben zu kraxeln macht einfach irrsinnig viel Spaß. Mittlerweile bewege ich mich in einer Menschenkarawanne nach oben, aber ich wurde vorgewarnt, dass es eng werden könnte.

Nur mal eben die Hand ausstrecken … von hier wirkt das Gipfelkreuz auf dem Aggenstein zum Greifen nah
Blümchen 1 … eine kurze Internetrecherche sagt: eine Trollblume
Blümchen 2 … für mich erst einmal leider undefinierbar

Es hat auch etwas schönes, gemeinsam zu schnaufen und sich oben gemeinsam zu freuen, es geschafft zu haben. Nur ungeduldig sein darf man nicht.

Von oben hat man eine super Sicht auf das Voralpenland sowie in Richtung Tannheimer Tal, Lechtaler Alpen, Hindenlanger Berge.

Neben mir erläutert ein älterer Herr seinem Enkel oder Neffen (oder so ähnlich:)), welche Gipfel man von hier aus sieht und wo sie schon waren (überall natürlich :)). Ich bilde mir ein, man sieht sogar Neuschwanstein.

Oder? Ist das rechts Neuschwanstein? 🙂 Vom Aggenstein aus sieht man meilenweit ins Alpenvorland hinein…
… und ins Alpenhinterland natürlich auch.

Weil der Rundweg zurück nach Pfronten über den Langen Steig gesperrt ist, kehre ich zurück zu einem alten Bekannten: dem Bösen Tritt. Ab der Abzweigung Breitenberg weiter unten betrete ich Neuland und, das schönste ist, kein Mensch biegt hier mit mir ab. Auf einmal bin ich ganz allein.

Zur Bergstation der Breitenbergbahn

Ich fühle mich ein bisschen in einen Disneyfilm versetzt. Die hohe Nordwand des Aggenstein versteckt gerade eben die Sonne, ihre Strahlen aber tauchen die Almwiesen in ein weiches Licht. Schmetterlinge fliegen vor mir davon, wenn ich meinen Fuß aufsetze und die Grillen zirpen um die Wette. Außer dem vergnüten Knirschen meiner Schritte ist es still.

Megamärchenwiese

Erst bei der Hochalphütte, in deren Nähe auch die Breitenbergbahn ihre Insassen ausspuckt, treffe ich wieder auf Menschen. Ein Radler gönne ich mir noch, dann geht’s über einen Kiesweg in Serpentinen nach unten.

Eine Sache macht den Rückweg noch interessant: Als ich um die Ecke komme, sehe ich nicht weit vor mir einen Fuchs, im Maul eine totgejagte Maus. Wider Erwarten rennt er nicht panisch vor mir weg, sondern ganz gelassen eine Weile vor mir her.

Fuchs, den ich beim Abstieg in Richtung Pfronten treffe.

Irgendwann fasst er sich anscheinend ein Herz und läuft an mir vorbei wieder bergauf. Dabei guggt er mich an und ich schaue direkt in seine gelben Wildaugen. Passt irgendwie zu den magischen Schmetterlingen :).

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