Bärentrek – auf Abwegen: Passwanderungen in der Schweiz

Der Bärentrek (von Meiringen über Schweizer Alpenpässe nach Kandersteig wandern) war ein Traum von mir, seitdem ich mich in den Beschreibungen der Tour im Internet verloren hatte. Drei Tage Bärentrek hatten wir eingeplant – am Ende blieben wir unserer Route jedoch nur für einen einzigen Tag lang treu.

Über eine Wanderung, für die wir irgendwie doch zu bequem waren. Inkl. Packliste.

„Eine der schönsten Passwanderungen in der Schweiz“, „fantastische Berglandschaften“ – so urteilt das Internet über den Bärentrek.  Viel mehr brauchte ich nicht als Karotte. Für alle sieben Pässe des Treks fehlt uns die Zeit (und die Kondition), aber ein Teil der Strecke war gut machbar.

Und jetzt stehen wir hier, fünfeinhalb Stunden Fahrt hinter und drei Tage „atemberaubende Wanderkulisse“ vor uns, und wuchten an einem kostenlosen Parkplatz in der Nähe der Reichenbachfallbahn in Meiringen unsere Rucksäcke auf die Schultern.

Da unsere Fitness und unsere Zeit begrenzt sind, habenwir uns auf folgenden Plan geeignigt:

Plan für drei Tage Bärentrek

  1. Tag: Von Meiringen (525 m) bis Broch (ca. 1428 m), Übernachtung auf der Brochhütte
  2. Tag: Brochhütte über Große Scheidegg (1962 m) nach Grindelwald (1034 m), Übernachtung im „Mountain Hostel“
  3. Tag: Von Grindelwald über die Kleine Scheidegg (2061 m) nach Lauterbrunnen (802 m), Rückfahrt

Klang für uns ganz gut machbar. Erstmal.

Bärentrek – 1. Tag von Meiringen bis zur Brochhütte

Der Wetterbericht hat uns vor unserer Abreise mit Schlechtwetterwarnungen malträtiert, wir blinzeln ungläubig in die Sonne und starten gutgelaunt auf alten Saumwegen in die Höhe. Lichter Bergwald und saftige Wiesen wechseln sich ab, der Rucksack drückt kaum und in Null komma nix stehen wir vor den mächtigen Reichenbachfall, dem ersten Highlight auf unserem Weg.

Wenige Meter vor rauschen und zischen die Wassermassen mit Gewalt in die Tiefe, jedes Foto wirkt nur wie ein müder Abklatsch. Ich hab es trotzdem versucht ?.

Der Reichenbachfall am Bärentrek von Meiringen aus

Als wir aus unserer Reichenbachfallbegeisterung erwachen und weitergehen merken wir, dass es nicht nur die Gischt des Wasserfalls war, die uns nassgetropft hat.

Als wir einige abenteuerliche schmale Waldwege später am Hotel Zwirgi ankommen, regnet es in Strömen.

Wir geben auf

Zwischenstation im Trockenen. Wir sitzen im Zwirgi, trinken warmen Kakao und starren missmutig hinaus. Dass es regnen würde, war eigentlich klar, warum wir also jetzt so bedröppelt schauen? Vielleicht hätte der Tag uns nicht erst mit Sonnenschein täuschen sollen.

Von Minute zu Minute wird unsere Lust, im Schlamm weiterzuwaten, geringer.  

So, und jetzt kommt die traurige Wahrheit: Wir lassen es dann auch.

Romantische Pfade am wilden Rychenbach entlang hätten uns, laut Wanderbeschreibung, bis hoch ins Rosenlauital geleitet. Daraus wird nix. Es gibt nämlich noch eine Alternative: Den Postbus.

Der Postbus wird an diesem Regentag unser Freund. Er fährt uns vom Hotel Zwirgi (954 m) bis vor das Hotel Rosenlaui auf 1328 m. Und ja, das nagt an unserem Stolz, aber gleichzeitig sitzen wir im warmen Bus, fahren gefühlt ewig bergauf und sind verdammt froh, dass wir das nicht alles gehen müssen.

Am Hotel Rosenlaui spuckt uns der Bus schließlich aus.

Das Hotel Rosenlaui im Regen

Weil wir durch unsere Fahrerei einiges an Zeit gewonnen haben und das Gehen nicht ganz aufgeben wollen, beschließen wir, die Rosenlaui-Gletscherschlucht (Einritt 2019: 8 CHF) zu besuchen – wären wir nicht von unserem Plan abgewichen, hätten wir dafür keine Zeit mehr gehabt. Und end was verpasst.

Die Rosenlaui-Gletscherschlucht

Eingang in die Rosenlaui Gletscherschlucht
Der Rosenlaui Gletscherschlucht Rundweg

Kinders, die Rosenlauischlucht ist toll. Grandios. Beeindruckend.

So eng, dass wir uns teilweise fühlen, als würde uns der Fels erdrücken. Unter uns, neben uns, über uns sprudelt und rauschen türkis-weiße Wassermassen.

Es wäre wirklich jammerschade gewesen, hätten wir dieses beeindruckende Zusammenspiel von Wasser und Fels verpasst. Insofern hat unser frühes Aufgeben auch etwas Gutes gehabt.

Auf zur Brochhütte

Die restlichen hundert Höhenmeter zur Brochhütte ziehen sich. Wir stapfen auf schmalen Pfaden am gurgelnden Rychenbach entlang, aber im Matsch ist das wenig wildromantisch.

Die Wolken hängen meist so tief, dass wir von der uns umgebenden Bergwelt nichts sehen.

Manchmal lichtet sich der Nebel und die Wolkendecke auf

Auf der Brochhütte sind wir die einzigen Gäste bei einem sehr netten Hüttenwirt, der uns zu einem richtig deftigen Abendessen sogar Vor- und Nachspeise auftischt. Es fühlt sich großartig an – unser eigenes, privates Ferienlager – und zufrieden schlafen wir ein.

Bärentrek – 2. Tag von Broch nach Grindelwald

Blick von der Brochhütte am Morgen in den Regen.
Der Blick auf eine nasse Wolkenwelt begrüß uns, als wir die Fensterläden unseres Schlaflagers öffnen.

Der nächste Tag beginnt genauso, wie der letzte aufgehört: Regen, Regen und nochmal Regen.

Wir zögern den Aufbruch so lang hinaus wie wir uns gerade noch gut fühlen („nur noch ein Regenschauer“), aber es hilft alles nix. Unsere über 500 Höhenmeter bis zur Großen Scheidegg gehen sich nicht von alleine.

Lost in den Wolken

Nach den ersten zaghaften Schritte talaufwärts verliert das Wasser von oben dann aber endlich seinen Schrecken.

Ein schnuckeliger Pfad führt durch moosigen Märchenwald, bis wir uns schließlich irgendwann in eine Hochmoorlandschaft vorgearbeitet haben. Immer wieder queren wir unseren treuen Begleiter, den Bach. 

Immer wieder queren wir unseren treuen Begleiter, dne Bach.

Es ist eine unwirkliche, mystische Landschaft, durch die wir ziehen. Die riesigen Felswände von Wetterhorn und Wellhorn blinzeln vereinzelt aus den Wolken, und bevor wir uns sattgesehen haben, erreichen wir auch schon die große Scheidegg auf 1962 m, unseren ersten Pass.

Bärentrek die grosse Scheidegg Passwanderung

Auf der anderen Seite des Passes: nur weiß. Wolkenweiß.

Irgendwie verwirrend, durch diesen Nebel bergabzustapfen, aber irgendwie auch großartig.

Ein Blick, ein Blinzeln, und die Landschaft ist auf einmal wieder eine andere. Die Wolken bewegen sich so schnell, dass immer wieder neue Details vor uns und neben uns sichtbar werden, und dann ebenso schnell wieder im Weiß verschwinden.

Eine Wechsel-Landschaft!

Bärentrek kurz vor der Großen Scheidegg

Wir sehen so kurz aufblitzen: Grindelwald, das weit, weit unter uns liegt, die schneebedeckten Wände des Wetterhorns, den Grindelwaldgletscher, eine Schutzhütte, einige Kühe, tiefer dann bereits die ersten Holzhütten von Grindelwald und sogar die Sonne. 

Was wir leider nicht sehen ist die Eiger Nordwand, die sich über Grindelwald erheben soll.

Was wir zum Glück nicht sehen sind  andere Menschen – weshalb das Gedränge uns dann förmlich erschlägt, als wir dann in Grindelwald ankommen.

In Grindelwald angekommen

Die Welt will anscheinend nach Grindelwald. Das Dörfchen ist so prall gefüllt mit Menschen wie unsere Schuhe mit Wasser.

Es ist ein Schock, in dieses Chaos aus Stimmen, Autos und Gedränge einzutauchen. Erst nach einer heißen Dusche in unserem Lager für die Nacht („Mountain Hostel“ gleich neben dem Bahnhof „Grindelwald Grund“), kommen wir wieder klar.

Und werfen nach einigem hin und her den Plan für unseren letzten Tag über den Haufen.

Unser Plan war ja: Morgen, am letzten und einzigen Sonnentag, den Weg zur Kleinen Scheidegg in Angriff zu nehmen und dann in das Wasserfall-Dörflein Lauterbrunnen abzusteigen. Über 1000 Höhenmeter bergauf, über 1000 Höhenmeter bergab.

Was sich zu Hause noch gut anhörte, hat heute, mit schmerzenden Füßen und nassem Rücken (und andersrum ?), Anklänge von Folter.

Neuer Plan: Wir brechen den Bärentrek ab

Deshalb gibt es jetzt einen neuen Plan – einen teuren Plan. Zahnradbahn statt Wandern. Eiger Trail statt Lauterbrunnen.

Bärentrek Blick vom Hostel Mountain Lodge auf die Eiger Nordwand
Blick aus unserem Hostel in Grindelwald auf den Eiger.

Mit diesem neuen Plan verlassen wir den Bärentrek, deshalb findet ihr hier auch keine Beschreibung von Tag 3. Dem Eiger-Trail habe ich hier einen eigenen Beitrag gewidmet.

Meine Packliste für drei Tage Bärentrek

Der Bärentrek war meine erste Rucksacktour, also das erste Mal, dass ich von Hütte zu Hütte zog und das gute Teil mich ständig begleitete.

Und obwohl ich bei einem Zwischenstopp noch einmal meinen Rucksackinhalt, drastisch reduziert hatte, habe ich zuviel mitgenommen. Nämlich:

  • drei Paar Hosen, von denen ich nur zwei gebraucht habe,
  • eine Mütze,
  • eine sinnlose Fließjacke,
  • drei T-Shirts,
  • fünf paar Socken und Unterwäsche ,
  • ein Hüttenschlafsack,
  • Schlafanzug,
  • Sonnencreme und sinnloses Mückenzeugs,
  • Regenjacke,
  • vier Pullis, die mir als Zwiebelprinzip richtig gute Dienste geleistet haben,
  • Hausschuhe für die Hütte,
  • ein dünnes Handtuch und Duschsach‘.

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